Bindung

Bindungsbegriffe begegnen uns in unterschiedlichen Kontexten (Ethologie, Entwicklungspsychologie, Medizin, Recht) und können in ihrer Bedeutung leicht verwechselt werden.

Die ethologische (verhaltensbiologische) Bindungstheorie versteht unter Bindung ein biologisch angelegtes Motivationssystem. Bei Verunsicherung und Belastung suchen Kleinkinder die Nähe und den Kontakt zu einer nahe stehenden Bezugsperson, um Trost zu finden und wieder Sicherheit zu gewinnen. Mit der Verunsicherung bzw. Belastung geht eine innere Erregung beim Kind (Herzfrequenzanstieg) einher, die mit dem Kontakt zur Bezugsperson wieder abklingt. 
Vor dem Hintergrund des Erklärungsmodells der ethologischen Bindungstheorie lassen sich einerseits normale, gelingende Beziehungsentwicklungen, andererseits Bindungsstörungen einordnen.


Unter den normalen Entwicklungsvarianten finden sich unterschiedliche Bindungsstile, die sichere (Typ B) und die unsichere (unsicher-vermeidende/Typ A und unsicher-ambivalente/Typ C) Bindung. Diese Bindungsstile werden interpretiert als unterschiedliche (Anpassungs-) Strategien im Umgang mit Belastung und emotionaler Verunsicherung bzw. als Ergebnis mehr oder weniger feinfühligen elterlichen Verhaltens (Sensitivität). Entwicklungspsychopathologisch interpretieren lassen sich die Typen der so genannten hochunsicheren oder atypischen Bindung, darunter fällt die meist genannte hochunsicher-desorganisierte Bindung (Typ D), wenn Kinder auf keine organisierte Verhaltensstrategie bei Belastung zurückgreifen können.
Fehlende Bindung hingegen kommt nur selten vor. Dies sind meist Kinder mit häufig wechselnden Bezugspersonen und schwerer → Vernachlässigung.

Im klinischen Bereich spricht man von Bindungsstörungen, wenn entweder Kinder unter Verunsicherung und Belastung nicht die Nähe und den Trost ihrer Bezugsperson suchen, oder wenn sie gegenüber fremden Menschen distanzloses und oberflächlich freundliches Verhalten zeigen. Bindungsstörungen werden gemäß der ICD-10 beziehungsweise dem DSM-IV klassifiziert. Beide diagnostischen Manuale beschreiben Bindungsstörungen als Verhaltensweisen, die in den meisten sozialen Kontexten entwicklungsunangemessen sind. Bindungsstörungen werden mit schwerer elterlicher Vernachlässigung und Misshandlung (im → ICD-10) bzw. mit massiv pathologischer (elterlicher) Betreuungssituation (im DSM-IV) in Zusammenhang gebracht.

Bindungsbegriffe wie Bindung und Bindungstoleranz werden häufig auch in der Rechtssprechung, insbesondere im → Familienrecht verwendet. In diesem Kontext werden die Begriffe aber nicht im Sinne ihres bindungstheoretischen Hintergrundes verstanden, sondern spielen auf soziale Elternschaft oder gar auf die Blutsbande an. 


Unter Bindungstoleranz versteht man die Toleranz gegenüber Kontakten mit dem umgangsberechtigten Elternteil. Das Vorliegen von Bindungstoleranz deutet auf eine verantwortete Elternschaft hin. Sie dient als wichtiges Kriterium bei familiengerichtlichen Entscheidungen, z.B. kann fehlende „Bindungstoleranz“ den Entzug des Sorgerechts oder den Wechsel der Betreuungsverhältnisse bedingen.

Um Verwechslungen in der Bedeutung von Bindungsbegriffen zu vermeiden, bedarf es daher einer Erklärung der bindungstheoretischen Hintergründe und Annahmen, wenn Bindungsbegriffe vor Gericht bzw. im Beisein von Juristen verwendet werden. Dies ist auch wichtig um zu verhindern, dass kindliches Verhalten fehlinterpretiert wird, z.B. dass pathologische Phänomene wie sehr starkes Anklammern nicht im Sinne einer besonders starken „Bindung“ gedeutet werden.  

aus 

frühe Hilfen und Interventionen im Kinderschutz - Universität Ulm

 

 

Diplom-Sozialpädagogin


Systemisch-lösungsorientierte Sachverständige

Zertifiziert nach der neuen Gesetzgebung 


Zertifizierter Verfahrensbeistand


Zertifizierte Umgangs- und Ergänzungspflegerin


Zertifizierte Kinderschutzfachkraft

nach § 8a SGB VIII


Zertifizierte Fachkraft

„Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch”

Univerisät Ulm


Klientenzentrierte Gesprächspsycho-therapie

NLP-Practitioner  

Elternkurssleiterin "Starke Eltern - Starke Kinder"


Fortbildungen derzeit: 

"Frühe Hilfen und Interventionen im Kinderschutz"


"Traumapadagogik"

"Traumatheapie"