1.1  Voraussetzung von Kinderschutz und die Abwendung von Kindeswohlgefährdung ist die Bestimmung des Kindeswohls.

 

Es gibt keinen einheitlichen rechtlichen und gesellschaftliche Definition des Begriffes, da dies immer historisch, kulturell und individuell zu bestimmen ist. Unterschiedliche Werte und Normen bei Eltern wie z.B. im Rahmen von Erziehung, müssen flexibel sein, um jedem Kind in der jeweiligen Situation gerecht zu werden.

 

Generell ist aber von bestimmten Grundprinzipien auszugehen, was Kinder für eine gute und gesunde Entwicklung der eigenen Persönlichkeit brauchen. Es ist allgemein anerkannt, dass Kinder sich dort gut entwickeln können, wo sie entsprechend ihren Grundbedürfnissen und ihren emotionalen Bedürfnissen wie Liebe, Bindung, Vertrauen leben.

 

Thomas Berry Brazelton und Stanley l. Greenspan (2002)[1] beschrieben hier

 

·         "körperliche Unversehrtheit, Sicherheit und Regulation";

·         "Erfahrungen, die auf individuelle Unterschiede zugeschnitten sind";

·         "entwicklungsgerechte Erfahrungen";

·         "Grenzen und Strukturen";

·         "stabile, unterstützende Gemeinschaften" und "kulturelle Kontinuität";

·         ein globales Verantwortungsbewusstsein, das auch die Kinder in armen Ländern einbezieht.

 

Im Zusammenhang mit dem Elternkurs „Starke Eltern  - Starke Kinder“ des Kinderschutzbundes wurden zudem „fünf Säulen der Erziehung“ erarbeitet, die entwicklungsförderlich sind.[2]

 

 

 

  

Sie symbolisieren eine grundlegende Haltung Kindern gegenüber aber auch den Familien gegenüber. Eltern, die sich an diesen fünf Säulen orientieren, übernehmen eine liebevolle anleitende bindungsbejahende Haltung ihrem Kind gegenüber ein und sind bereit, sich auch ständigen Veränderungen und Herausforderungen, die das Leben mit Kinder mit sich bringt, zu stellen.

 

Die fünf Säulen der Erziehung sind die Grundlage für eine entwicklungsförderliche Erziehung im Sinne des Kindeswohls, der Rechte der Kinder auf Achtung, Liebe, das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und orientiert sich an den grundlegenden Bedürfnisse von Kindern.

 

Eltern unterliegen aber eigenen Gesetzmäßigkeiten, die nicht linear diese Grundlagen umsetzen können. Davon ausgehend unterliegen auch Eltern ihrer eigenen Geschichte, ihrer Erfahrungen, Ressource und Lösung-Strategien, die mitunter eher problematisch anzusehen sind.

 

Eine mangelhafte Umsetzung bedeutet nicht automatisch eine Kindeswohlgefährdung, da diese selbst immer individuell und historisch angezeigt ist.

 

Eine Gefährdung des Kindes wurde im Laufe der Zeit immer wieder anders definiert. Z.B. wurde die Frage der körperlichen Gewalt in der Erziehung lange gesellschaftlich akzeptiert, heute wird dies als eine Kindeswohlgefährdung angesehen. So sind viele Bereiche den gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen, wie die Frage neuer Medien, die Nutzung von Fernsehen, die der Nutzung von Smartphones gewichen ist, oder auch die Veränderungen im Freizeitverhalten von Kindern und Jugendliche.

 

1.2.Bei der Frage der Kindeswohlgefährdung

 

steht nicht das Kindeswohl im Fokus, sondern die Frage und Abschätzung einer Gefährdung des Kindes.

 

Kindeswohlgefährdung ist ebenfalls ein unbestimmter Rechtsbegriff und betrifft Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren. Dabei gilt auch, dass gerade in jungen Jahren eine KWG eher angezeigt ist als bei einem Jugendlichen, je jünger die Kinder, desto eher eine KWG-Meldung.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt nach deutschem Recht vor, wenn das körperliche, geistige und seelische Wohl eines Kindes durch das Tun oder Unterlassen der Eltern oder Dritter gravierende Beeinträchtigungen erleidet, die dauerhafte oder zeitweilige Schädigungen in der Entwicklung des Kindes zur Folge haben bzw. haben können.

Laut BGH 1956 handelt es sich um eine KWG, „wenn eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr“, vorliegt, „dass sich bei der weitere Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussagen lässt“.

Ansatzpunkte sind

·         Eine gegenwärtige vorhandene Gefahr

·         Einschätzung der Erheblichkeit

·         Erheblichkeit der Schädigung

 

Hierzu gehört auch die Einschätzung der Schädigung beim Kind, die beispielsweise als Folge einer Inobhutnahme zu erwarten ist.

„… 1. Maßnahmen, mit denen eine Trennung des Kindes von der elterlichen Familie verbunden ist, sind nur zulässig, wenn der Gefahr nicht auf andere Weise, auch nicht durch öffentliche Hilfen, begegnet werden kann….“[3]

   


[1] "Die sieben Grundbedürfnisse von Kindern. Was jedes Kind braucht, um gesund aufzuwachsen, gut zu lernen und glücklich zu sein" 2002

  

[2] Sigrid Tschöpe-SchefflerFünf Säulen der Erziehung - Wege zu einem entwicklungsfördernden Miteinander von Erwachsenen und Kindern“ Patmos Verlag

    

[3] https://dejure.org/gesetze/BGB/1666a.html

Kindeswohl







 



Die Maslowsche Bedürfnispyramide (kurz auch maslow pyramide genannt) ist ein Modell von Abraham Maslow.

Im Sprachgebrauch ist sie auch nur als „Bedürfnispyramide“ bekannt.

Dieses Modell ist eine sozialpsychologische Theorie nach der menschliche Bedürfnisse und Motivationen kategorisiert und eingeordnet werden.

Die Bedürfnispyramide hat fünf Stufen.

Die Pyramide deutet dabei an, dass die unteren Stufen an der Basis einen grundlegenden Charakter haben.

Diese müssen erfüllt sein. Je weiter nach oben man kommt, umso schmaler die jeweiligen Bereiche. Das bedeutet auch, dass diese Bereiche nicht unbedingt überlebensnotwendig sind. Man könnte auch sagen, dass sie „Nice to have“ sind.


1.      Pyhsiologische Bedürfnisse (Defizitbedürfnisse)

unter diesen Bedürfnissen fassen sich alle Dinge zusammen, die der Mensch unbedingt benötigt, um körperlich zu überleben: Nahrung, Trinken, Schlaf, Wärme, Sexualität


2. Sicherheitsbedürfnisse (Defizitbedürfnisse)

 materielle und berufliche Sicherheit (Wohnen, Arbeit)

 Geborgenheit und Schutz der Person


3. Soziale Bedürfnisse (Defizitbedürfnisse)

Liebe, Familie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl


4.  Individualbedürfnisse (Wachstumsbedürfnisse)

Anerkennung / Geltung / Status / Macht

Lob positive Beachtung


5. Selbstverwirklichung (Wachstumsbedürfnisse)

 Entfaltung der Persönlichkeit (Persönlichkeitsentwicklung)

 Ideen umsetzen


https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie




Elternkurs "Starke Eltern  - Starke Kinder"

Fünf Säulen der Erziehung

Wege zu einem entwicklungsfördernden Miteinander von Erwachsenen und Kinder.

Sigrid Tschöpe-Scheffler)








Entwicklungsförderndes Verhalten

Empathische und wahrnehmende Liebe

Die Ansichten und Interessen des Kindes erkennen und verstehen lernen, um darauf positiv einlenken zu können. Liebevolle Zuwendung zum Kind, und dass es aufgrund ihrer Person geliebt wird und nicht aufgrund hervorragender Leistungen in der Schule, Sport oder Aussehen. Das Kind auf der sprachlichen und emotionalen Ebene nicht bedrängen, aber auch nicht vernachlässigen. Besonders Eltern mit mehreren Kindern benötigen hohe Aufmerksamkeit, da Kinder versucht sind, gleichzeitig den Kontakt aufzubauen. Wenn auch nicht direkt gleichzeitig auf alle Kinder eingegangen werden kann, so kann man den Kontakt zu den Kindern im Verhalten und in der Ausdrucksweise gleichzeitig beachten. Beschäftigung mit dem einem Kind und die Kontaktsuche des anderen Kindes beachten und dabei kurz, aber freundlich erwidern. Ein Ignorieren oder Wegschieben des anderen Kindes kommt einer Bestrafung gleich.

Anerkennung Respekt

Auch bei stets unangenehmen oder unterschiedlichen Themengebieten sollte das Kind die Sicherheit erhalten anerkannt zu werden. Vertrauensvolle Unterstützung, dass das Kind seine eigene individuelle Person annimmt und wertschätzt.

 Sicherheit / Kooperation / Lösen

Es ist jemand da, wenn das Kind jemanden braucht. Je mehr Sicherheit das Kind verspürt, desto früher gewinnt das Kind an Selbst-Vertrauen in sich und in das Leben.Das Kind sollte bei Entscheidungen nicht ausgeschlossen werden, sondern kooperativ einbezogen werden (Mitbestimmung). Förderung unterschiedlicher Lösungsmöglichkeiten und Gestaltung einer gemeinsamen Lebenserfahrung (gemeinsame Aktivitäten).

Anregen / Motivieren / Fördern

Als Vorbildfunktion das Kind fördern, ob mit Spielen oder gemeinsamen Aktivitäten. Mit möglichst guten Beispielen aufzeigen, wie man Konflikte mit sich und der Umwelt lösen kann. Dabei positive und weniger positive Rückmeldungen geben, erst dadurch kann ein Entwicklungs- und Verbesserungsprozess zustande kommen.Auch sollte die Förderung nicht zu früh stattfinden. Beispielsweise im Alter von 2-6 Jahren (präoperationale Entwicklungsphase) ist das kognitive Verständnis bei Kindern für anspruchsvolle Aufgaben nicht ganz vorhanden. Einfaches Beispiel: Kinder können in der präoperationalen Entwicklungsphase erkennen, dass zwei exakt gleiche Knetgummikugeln dieselbe Masse an Knetgummi enthalten. Sobald man aber einen Knetgummi in einen wurstförmigen Zustand knetet sagen Kinder meistens aus, dass die wurstförmige Form mehr Masse an Knetgummi enthält als die Kugel. Die Fähigkeit zum reversiblen Denken ist in dieser Entwicklungsphase noch nicht stark genug ausgeprägt [ Umkehrbarkeit von Prozessen (hier Knetgummi von Wurst zu Kugel und umgekehrt = Mengenerhaltung bleibt gleich) ]1

Besonders bei Kleinkindern »unterstützend« in geforderte Aktivitäten eingreifen. Lesen Sie dazu auch den Artikel « Mehrdeutigkeiten in Beziehungen, Alltag? ».

Regeln und Verhalten erklären

Wichtige Umgangsformen in der Kommunikation und im Verhalten nicht nur setzen, sondern auch die Bedeutung und zukünftigen Folgen erklären (klare und realistische Grenzen setzen).Über die Erklärung der Regeln wird die »innere Verantwortung und Einstellungsänderung« beim Kind gefördert, die nicht nur an starren Regeln geknüpft ist. Das Verständnis und die Wirkung für bestimmte Verhaltensweisen wird sowie der Umgang mit anderen Personen dadurch eher akzeptiert und zukünftig selbständig bewertet und verändert.




Gute Entwicklung in der Kindheit und der Heranwachsenden-Phase stärkt und entwickelt frühzeitig die Kompetenzen

  

» soziale Kompetenz   «

  
  

» Sachkompetenz «

  
  

Stärkung der   sozialen Kompetenzen durch Erklärung der unterschiedlichen sozialen   Gesellschaften. Verantwortliches Handeln und die Gründe für das Handeln im   Umgang mit anderen werden in der Kindheit bereits aufgezeigt.

  
  

Praktisches und   theoretisches Wissen wird über die Lebensbereiche der Vorbild- und   Erklärungsfunktion entwickelt.
  (Elternvorbild, eigene Bildung, schulische   Bildung, Bildung aus dem Umfeld ..)

  
  

» Lernkompetenz «

  
  

» Ich-Kompentenz «

  
  

Die Bedeutung für   das Lernen wurde in der Kindheit gefördert und praktisch verständlich   gemacht. Fähigkeiten werden in der Kindheit vermittelt, wie man sich “Wissen   und Können” selbst aneignen kann und damit “Selbständiger und   Selbstbewusster” das Leben meistern kann.

  
  

Stärkung der   Persönlichkeit (das Selbstvertrauen) sich   unabhängiger und verantwortlicher für sich selbst zu entscheiden und zu   entwickeln. Es wurde in der Kindheit auch gelernt mögliche Folgen aus dem   eigenen Verhalten antizipieren zu können (Mögliche   Ereignisse gedanklich vorwegnehmen). Das eigene Verhalten wird vorab   korrigiert, bevor man es auslebt. Dadurch kann man verantwortungsvoller und   positiver mit sich und seiner Umwelt in Wechselwirkung treten.

  
  

http://conwide.de/kindererziehung-fuenf-saeulen-guter-entwicklung/

 




Kindeswohlgefährdung

Das systemische Familienverständnis des SV gilt im Rahmen von Verfahren nach § 1666 BGB gleichermaßen auch für alle in ihrem Wohl gefährdeten Kinder. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst Gespräche und Interaktionsbeobachtungen zur genauen Diagnose von Schädigung bzw. Gefährdungszustand sowie deren familialer Ursachen, wobei in die Beurteilung stets auch einschlägige Voten von den Fachkräften der Jugendhilfe und ggf. weiterer Personen aus dem Lebensumfeld des Kindes einbezogen werden. Es folgt eine Ressourcenprüfung in Bezug auf die Wiederherstellbarkeit elterlicher Erziehungskompetenz bzw. der dafür ggf. erforderlichen Hilfen.

Insgesamt steht dabei auch hier die Gestaltung spannungsarmer, beziehungserhaltender Lösungen im Blick, soweit das Schutzbedürfnis des Kindes diese erlaubt. Familie ist auch für Kinder, die auf Grund erheblicher Erziehungsdefizite ihrer Eltern nicht zu Hause aufwachsen können, von großer emotionaler Bedeutung. Deshalb beachtet der SV bei allen zum Schutz des Kindes erforderlichen Eingriffsempfehlungen stets das Verhältnismäßigkeitsprinzip. Auch im Konflikt zwischen Herkunfts- und Pflegefamilie bemüht er sich, analog zur Trennungssituation, um die Gestaltung möglichst spannungsarmer Verhältnisse zwischen allen Beteiligten, um dem Kind bestmöglich Loyalitätskonflikte zu ersparen und zu verhindern, dass sein für unvermeidbar erachtetes Aufwachsen außerhalb der Ursprungsfamilie nicht im Dauerkonflikt um das richtige „Zuhause“ mündet.

 

Runder Tisch

Zentrales methodisches Element in Verfahren nach § 1666 BGB ist der ‚Runde Tisch’, zu dem der SV nach Abschluss seiner Recherchen alle mitwirkenden Fachkräfte, später unter Hinzuziehung der betroffenen Eltern, einlädt. Hier werden die unterschiedlichen Einschätzungen und Perspektiven transparent zur Diskussion gestellt, mit dem Ziel, aus einem bis dato häufig kontradiktorischen Setting (Helfersystem unter Führung des Jugendamtes vs. Familie) eine fachkundige Verantwortungsgemeinschaft zu gestalten, in der alle dasselbe Ziel im Blick haben – das Wohl des Kindes.

 

Kindeswohlgefährdung und Fremdunterbringung

Müssen im Rahmen eines familiengerichtlichen Verfahrens Kinder von ihrer Familie getrennt werden, wird stets mitbedacht, inwieweit diese zum Schutz des Kindes getroffene Maßnahme ihrerseits durch Vereinzelung und emotionale Deprivation sein Wohl gefährden könnte. Daher ist einem Beziehungsabbruch zwischen Kind und Ursprungsfamilie während der Fremdunterbringung vorzubeugen und Umgangskontakte in einem Rahmen zu gewährleisten, der die emotionalen Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung berücksichtigt (Eingewöhnungszeiten, Besuchsintervalle, Umgangs- und Telefonkontakte). Zudem bleibt die Rückkehroption grundsätzlich immer bestehen, ihre Überprüfung gehört zum methodischen Standard jedes systemisch-lösungsorientierten SV, was immer auch die Suche nach Chancen und Perspektiven für eine Verbesserung der Erziehungsfähigkeit der Herkunftsfamilie umfasst.

Die Unterbringung in Heim oder Pflegefamilien setzt voraus, dass die Einrichtung/Pflegefamilie sich als Ergänzung zur Ursprungsfamilie versteht, damit die familiale Identität des Kindes nicht mehr als unvermeidbar beeinträchtigt wird. Eine Pflegefamilie, für die der SV sich ausspricht, sieht das Kind als Kind seiner Herkunftsfamilie, die zu ihm gehört und der deshalb seitens jeder Ergänzungsfamilie Platz in Leben und Herzen des Pflegekindes eingeräumt werden muss. Das schließt aber natürlich in begründeten Fällen auch die dauerhafte Fremdunterbringung nicht aus.


http://www.fsls.de/kindeswohlgefaehrdung

 

   

 

Diplom-Sozialpädagogin


Systemisch-lösungsorientierte Sachverständige

Zertifiziert nach der neuen Gesetzgebung 


Zertifizierter Verfahrensbeistand


Zertifizierte Umgangs- und Ergänzungspflegerin


Zertifizierte Kinderschutzfachkraft

nach § 8a SGB VIII


Zertifizierte Fachkraft

„Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch”

Univerisät Ulm


Klientenzentrierte Gesprächspsycho-therapie

NLP-Practitioner  

Elternkurssleiterin "Starke Eltern - Starke Kinder"


Fortbildungen derzeit: 

"Frühe Hilfen und Interventionen im Kinderschutz"


"Traumapadagogik"

"Traumatheapie"